Fotos Volker Gottwald

China / 88_Fotos_Auswahl

China Auswahl - Peking

Verbotene Stadt - Die in wenigen Jahren (1406-1420) erbaute riesige Anlage der verbotenen Stadt mit rechtwinkligem Grundriss, ausgerichtet entsprechend dem Prinzip von Yin und Yang an der Nord-Süd-Achse, von einer hohen Mauer und einem breiten Graben umschlossen, macht den Eindruck einer Festung. In jeder Himmelsrichtung befindet sich jeweils ein großes Tor mit einem Turm und an den vier Mauerecken steht jeweils ein Eckturm. Die meisten Gebäude sind aus Holz erbaut, wurden auf weißen, von Balustraden gesäumten Marmorterrassen errichtet und haben geschwungene Pagodendächer, die mit gelb glasierten Ziegeln gedeckt sind und früher teilvergoldet waren. Diese früher dem Kaiser vorbehaltene Farbe gelb repräsentiert das auf dem gelben Lössboden Nordchinas gegründete Reich gegenüber dem Himmel. Einer Legende nach darf nur der Himmel 10.000 Räume besitzen, daher mussten sich die „Söhne des Himmels“ mit 9.999½ zufriedengeben. Die einzelnen Hallen, deren zeremonielle Bedeutung schon an der Anzahl der Fabelwesen auf den Firsten abzulesen ist (die Halle der höchsten Harmonie hat deshalb je neun an allen vier Ecken) wirken durch die strikt eingehaltenen Regeln harmonisch und der davor stehende Mensch fühlt sich klein und unbedeutend. Die Fabelwesen, die aus den alten Naturreligionen stammen und böse Geister fernhalten sollen, werden auch bei neuen Gebäuden verwendet, die oft ein traditionelles Bauteil mit ausschwingenden Dachspitzen und darauf angebrachten Fabeltieren haben. Der imperiale Anspruch wird noch unterstrichen durch die zwei Bronzelöwen, deren männlicher mit der Pranke auf einem Globus die kaiserliche Macht über die Welt symbolisiert, der weibliche mit dem Löwenbaby darunter die Fruchtbarkeit des kaiserlichen Hofes. Sie sind an vielen Stellen anzutreffen. Der Wolkendrache als segenbringendes Symboltier des Kaisers ist in der Dekoration der Hallen allgegenwärtig; an den hinteren Hallen gesellt sich zu ihm der Phönix, das Symboltier der Kaiserin. Dass sich hier einmal die Macht eines großen Reiches, der Dynastien der Ming und Qing, manifestierte, ist noch zu spüren, wenn auch die Masse der chinesischen Touristen das Gefühl für Erhabenheit und die ausgestrahlte Harmonie der Architektur nahezu zerstört.


Entstehungsjahr: 2015
Fotograf: V. Gottwald, Dateiname: 112_vgo_6396_1400.jpg